GRÜNE Kulturpolitiker*innen initiieren interfraktionellen Antrag zur Einrichtung einer Stelle für Netzwerkmanagement in Dinslaken

Die Fraktionen von GRÜNEN, DIE LINKE, die PARTEI und AWG im Rat der Stadt Dinslaken haben gemeinsam beantragt, dass die Stadt Dinslaken den Stellenplan 2023 (Vorlage 1011/2023) um zwei halbe Stellen für das Netzwerkmanagement im Bereich Städtepartnerschaften, Europa und Kultur erweitert. Im Antrag wird vorgeschlagen, dass der Rat in der anstehenden Sitzung im März folgende Punkte beschließt und die Stadtverwaltung mit deren Umsetzung beauftragt wird:

  1. Entsprechend dem Vorschlag aus dem Entwurf des Kulturentwicklungsplanes und zur Erreichung der dort formulierten kulturpolitischen Zieleeine halbe Stelle für das kulturelle Netzwerkmanagement einzurichten.
  2. Entsprechend dem Beitritt zur Hanse, zum anstehenden Beitritt zur Euregio und weiteren Europaangelegenheiten sowie der Entlastung der Verwaltung bei der aktuellen Betreuung der Städtepartnerschaften eine halbe Stelle für die damit verbundenen Aufgaben einzurichten.
  3. Die organisatorischen Vorbereitungen zu treffen, damit diese beiden Stellen im Vorstandsbereich II nach erfolgreicher Ausschreibung als Stabsstelle bei der Beigeordneten angesiedelt werden können (jeweils EG 10-11/ A 10-11 inkl. entsprechenden kw Vermerken im gleichen Volumen). 

Begründung:

Auf Grundlage der letzten Diskurse in der Kulturpolitik in Dinslaken war das klar artikulierte und wichtigste Ergebnis des Kulturentwicklungsprozesses im Entwurf des Kulturentwicklungsplanes (KEP) die Handlungsempfehlung eine Netzwerkstelle für alle Kulturschaffenden der Stadt einzurichten. Diese Stelle ist laut Entwurf des KEP ein zentrales Element für die Weiterentwicklung des kulturellen Lebens in unserer Stadt, wurde von einem breiten Konsens aller Beteiligten getragen und von nahezu allen Fraktionen unterstützt. Daher ist es sinnvoll, den langen Arbeitsprozess bis zur finalen Verabschiedung des KEP nicht abzuwarten, sondern bereits im nun zu beschließenden Stellenplan die Einrichtung dieser halben Stelle in der Ratssitzung am 21.03.2023 vorzusehen.

Darüber hinaus sollten bereits bestehende und neu entstehende Aufgabenfelder in Zusammenhang mit Europaangelegenheiten gebündelt werden. Dafür ist im Stellenplan eine halbe Stelle vorzusehen. Insbesondere der geplante Beitritt zur Euregio Rhein-Waal bietet zahlreiche Chancen, Projekte in unterschiedlichsten Bereichen zu realisieren und dabei auch Fördermittel über den Zweckverband in Anspruch nehmen zu können. Der Aufgabenbereich soll dabei auch Schnittstelle zu den einzelnen fachlich zuständigen Geschäftsbereichen innerhalb der Verwaltung sein. Bereits bestehende Aufgabenstellungen mit europäischem Bezug, welche z.B. aus der Mitgliedschaft der Stadt im Rat der Gremien und Regionen Europas – Deutsche Sektion – und der Mitwirkung in Arbeitskreisen der Organisation, der künftigen Teilnahme an der Europawoche des Landes oder auch Themen in Bezug auf Hanse, soweit diese nicht im Bereich des Stadtmarketing zuzuordnen sind, entstehen, können in der neuen Stelle sinnvoll gebündelt werden. Darüber hinaus könnten über diese weitere halbe Stelle auch Bemühungen der Verwaltung, die Stadt zu einem Hochschulstandort zu entwickeln, begleitet werden. Auch hier wäre die Funktion als Schnittstelle zu anderen Bereichen der Verwaltung (Wirtschaftsförderung, Stadtentwicklung, Bildung und Schule, Jugend und Soziales) denkbar. 

Zum Hintergrund (Ausführungen mit Bezug zu 1.), Forderung aus dem Entwurf des KEP (S.27):

2. Systematisches Netzwerkmanagement, Kooperationen

Dinslaken zeichnet sich durch ein reiches, vielfältiges Kulturleben, eine große Zahl von Organisationen in freier Trägerschaft, die mit großem Engagement und Qualität das Kulturleben bereichern und durch viele Künstler:innen und Kreative, die kaum öffentlich wahrgenommen werden, aus. Die Beteiligung an der Kulturentwicklungsplanung hat deutlich gemacht, dass bei den Bürgerinnen und Bürger viel Fachkenntnis und Erfahrungswissen ist, das für die Kulturentwicklung erschließbar ist. In allen Veranstaltungen und Fachgesprächen wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass ein professionelles, systematisches Netzwerkmanagement fehlt, um die vielen Potenziale durch Information und Zusammenarbeit zu erschließen. Das systematische Netzwerkmanagement erfordert qualifizierte, hauptamtliche Arbeitskapazität.

Netzwerkmanagement

Die Schaffung einer Stelle für Netzwerkmanagement hat unter allen Vorschlägen des Kulturentwicklungsplanes die höchste Priorität. Es wird vorgeschlagen, im Fachdienst Kultur eine Stelle für Netzwerkmanagement zu schaffen. Für das anspruchsvolle Arbeitsvolumen ist mindestens eine halbe Stelle des gehobenen Dienstes erforderlich. Sie sollte in die Besoldungsstufe A11 oder vergleichbar eingestuft werden. Für die Aufgaben des Netzwerkmanagements sollten zusätzlich Honorarmittel zur Verfügung gestellt werden, weil die Arbeitskapazität einer halben Stelle für die Fülle der Aufgaben nicht ausreichen wird. Mit Honoraraufträgen ist es möglich, flexibel auf besondere Anforderungen zu reagieren.

Aufgaben sind

  • Allgemeine Netzwerktreffen – Kulturplattform mindestens einmal pro Jahr,
  • Organisation, Dokumentation der Netzwerktreffen
  • Unterstützung von bestehenden Subnetzwerken
  • Anregung und Unterstützung von neuen Netzwerkbildungen
  • Anregung und Unterstützung von Kooperationen
  • Unterstützung der Kulturkommunikation der freien Kulturarbeit
  • Betreuung der neuen Homepage Kultur in Dinslaken
  • Ständige Recherche von Veranstaltenden und Veranstaltungsplanungen
  • Planungstreffen der Veranstaltenden, 2 x pro Jahr
  • Intensive Pflege des Veranstaltungskalenders, aktive Ansprache von Veranstaltenden den Veranstaltungskalender zu nutzen, Information über den Veranstaltungskalender
  • Beratung über Fördermöglichkeiten, gute aktuelle Kenntnis der Fördertöpfe, Ansprache von Kulturschaffenden und Veranstaltenden Förderung zu beantragen,
  • Unterstützung bei der Antragstellung und den Verwendungsnachweisen
  • Organisatorische Unterstützung der bürgerschaftlichen Kulturplattform
  • Erarbeitung des Jahreskultur- und Evaluationsberichtes
  • Organisatorische und fachliche Unterstützung und Organisatorische Unterstützung der Jurierungen, falls Kulturintendanzen eingerichtet werden
  • Pflege des Künstler:innenverzeichnisses
  • Organisation des Netzwerkes Schule und Kultur und der Kulturbotschafter:innen
  • Betreuung interkommunaler Kooperationen

S.34, 7. Vielfalt und Zusammenwirken der Kulturen

Das Zusammenwirken der Kulturen erhält eine immer größere Bedeutung.

Die Vielfalt der Kulturen von Menschen mit einem familiären Hintergrund mit Migrationsgeschichte ist jedoch im Kulturangebot in Dinslaken kaum vertreten. Es gibt zu diesen Bevölkerungsgruppen keine aussagefähige Bevölkerungsstatistik. Es gibt kaum Informationen darüber, ob und wie sich Menschen anderer kultureller Herkünfte treffen/organisieren. Das Integrationskonzept der Stadt enthält keine Aussagen zur kulturellen Mitgestaltung und Kulturangeboten. In einem ersten Schritt müssen diese fehlenden Informationen gewonnen und immer zeitnah aktualisiert werden. Die Bildung von Kooperationsformen sollte durch das Netzwerkmanagement und den/die Integrationsbeauftragte/n unterstützt werden.

S.36, Nachhaltigkeit

Die Veranstaltenden, die regelmäßig Kulturveranstaltungen anbieten, sollten in Zusammenarbeit mit der Stabsstelle nachhaltige Entwicklung eine Handreichung für nachhaltige Kulturveranstaltungen entwickeln. Neue Veranstaltende sollten in Kooperation von Stabsstelle und Netzwerkmanagement beraten werden. Die Einrichtung eines Verleihdienstes für Technik und Materialien oder eine Informationsplattform über Möglichkeiten des Ausleihens sollte geprüft werden.

Die Ergebnisse der Fachtagung Kultur und Nachhaltigkeit des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft und des Wuppertal Institutes aus dem Jahr 2022 sind für diese Aufgaben eine gute Informationsgrundlage.

S.37, Neue Website Kultur in Dinslaken

Um einen schnellen, aktuellen, Barriere freien Zugriff auf alle für das Kulturleben wichtigen Informationen zu ermöglichen sollte eine neue Homepage Kultur in Dinslaken entwickelt werden. Sie sollte mit der Homepage der Stadt und den Homepages anderer Kulturorganisationen wie Freilicht AG, Kulturkreis e.V., Jazzinitiative… verlinkt werden. Dies Homepage sollte durch das Netzwerkmanagement betreut werden.

S. 31, Künstler:innenverzeichnis

Auf der Homepage der Stadt und auf einer neuen Homepage Kultur Dinslaken sollte – leicht zugänglich – ein digitales Verzeichnis der Künstler:innen und anderen Kreativen geschaffen werden. Zusätzlich zu Namen und Kommunikationsdaten sollte es kurze Informationen zur kreativen Betätigung und zur Homepage enthalten, über die weitere Informationen zur Person, dem kreativen Werdegang und Schaffen gewonnen werden können. Das Verzeichnis solle durch das Netzwerkmanagement aktiv gepflegt werden. Der Kulturkreis hat ein vorbildliches Künstler:innenverzeichnis, in dem überwiegend bildende Künstler:innen und nur wenige Kulturschaffende anderer Kunstformen vertreten sind. Die Aufnahme in das Verzeichnis setzt die Mitgliedschaft im Kulturkreis voraus. Ziel müsste es sein, möglichst alle Kreativen in das Verzeichnis aufzunehmen. Eine Kooperation und gegenseitige Verlinkung zwischen Kulturkreis und Netzwerkmanagement wären sinnvoll.

Weiterer Hintergrund, aus dem Entwurf des KEP, S. 23-24:

Kulturpolitische Ziele

Allgemeine kulturpolitische Ziele

1. Politik und Verwaltung verstehen Kulturentwicklung als wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Stadt. Sie schaffen die für die Kulturentwicklung notwendigen Rahmenbedingungen.

2. Die für die Zukunft des Kulturlebens und die überregionale Attraktivität Dinslakens wichtigen Kultur- und Bildungseinrichtungen, Kulturorte und Kulturinitiativen, werden in ihrer Bedeutung erkannt und gefördert.

3. Dinslaken entwickelt Alleinstellungsmerkmale als eines der kulturellen Zentren der Region -regional und überregional.

4. Austausch und Kooperationen in der Kulturarbeit werden mit anderen Kommunen in der Region entwickelt.

5. Kultur wird in ihrer ganzen Vielfalt von professioneller Kultur und Laienkultur entwickelt.

6. Die Pflege und Erhaltung der natürlichen Umwelt ist Anliegen des Kulturlebens.

7. Alle Kulturräume und Kulturangebote werden für alle Menschen erreichbar gemacht.

Standortfaktor Kultur, Transparenz, Kommunikation, Vernetzung, Marketing

8. Kultur wird als wichtiger Standortfaktor für die Lebensfähigkeit unserer Stadt entwickelt.

9. Information und Kommunikationsmöglichkeiten über das Kulturleben werden durch eine systematische und transparente Kommunikation verbessert.

10. Netzwerke von Kulturschaffenden, freier Szene, Schulen, Vereinen, Religionsgemeinschaften, Unternehmen, Politik sowie Kultur-, Kinder-, Jugend- und Bildungseinrichtungen werden durch das systematische Netzwerkmanagement des Fachdienstes Kultur geschaffen und gepflegt.

11. Ein regionales Kultur-, Bildungs- und Tourismusmarketing wird transparent weiterentwickelt.

Kinder und Jugendliche, Schule und Kultur

12. Allen Kindern und Jugendlichen wird die Teilhabe und Mitgestaltung an Kultur- und Bildungsangeboten – auch durch (Frei) Räume – örtlich, zeitlich, virtuell – für selbstbestimmte Kulturvorhaben – ermöglicht.

13. Entwicklung eines Netzwerkes junge Kultur in dem der Fachdienst Kultur, der Fachdienst Kinder, Jugend und Familie, die Jugendzentren, Kindereinrichtungen, Schulen und Künstlerlinnen und Künstler regelmäßig, systematisch zusammenarbeiten

14. Die Kreativität der Kinder und Jugendlichen und die Entwicklung eigener Kulturvorstellungen werden durch ein frühzeitiges und attraktives Kultur- und Teilhabeangebot ermöglicht.

15. Alle in Dinslaken vorhandenen Kulturorte werden als außerschulische Lernorte Kultur entwickelt/genutzt.

Identifikation, Teilhabe und Integration

16. Menschen aus anderen Kulturen werden unterstützt, ihre Kulturen zu leben und zu präsentieren.

17. Identifikation, Zusammenleben, Toleranz und Inklusion werden durch die gelebte Erinnerungskultur gestärkt und durch Kultur gefördert.

18. Eine Willkommenskultur für Menschen, die Dinslaken als neuen Lebensort gewählt haben, wird weiterentwickelt.

19. Menschen aller Schichten, Altersgruppen, Lebensformen wird eine aktive Teilhabe am Kulturleben ermöglicht, auch für Menschen mit niedrigem Einkommen.

Ehrenamt, bürgerschaftliches Engagement

20. Ehrenamtliche Arbeit und bürgerschaftliches Engagement werden besonders wertgeschätzt und gewürdigt.

21. Rahmenbedingungen für ehrenamtliche Tätigkeiten und bürgerschaftliches Engagement in Kultur und Bildung werden verbessert.

22. Neue Formen der Mitarbeit werden entwickelt, um junge Menschen für ehrenamtliches Engagements in der Kultur zu gewinnen.

Kulturförderung

23. Für die Förderung der Kulturarbeit von Künstler:innen, Vereinen und Projekten wird das Kulturförderbudget verstärkt.

24. Die Kulturförderung berücksichtigt die Anforderungen nach Nachhaltigkeit mit ihren sozialen, ökologischen und ökonomischen Wirkungen.

25. Durch Kulturförderung werden Anreize für freie Kulturarbeit und Talentförderung gegeben.

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